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  • Über den Gebrauch des Internets in der Mittelalterlichen Geschichte

    Christine DUCOURTIEUX, 20. September 2016

    Christine DUCOURTIEUX

    (Ingénieur de recherche au Laboratoire de Médiévistique Occidentale de Paris - Université Paris1 Panthéon-Sorbonne)


    Kabel, Drähte, politische Entscheidungen über Raumplanung und technischer Fortschritt, der die hohe Technologie der Telekommunikation und der Informatik kombiniert, auf der einen Seite; die (millenaristischen) Ängste im neuen Jahrtausend, die ethischen Fragen, die getroffenen oder zu treffenden Entscheidungen einer Gesellschaft (von Gesellschaften), die von den Verfahren und den technischen Normen, die einzelne Verbindungen und Gründe für Netzwerke regeln, eingeschnürt sind, auf der anderen Seite – eigentlich das Internet, das Internet und die Mediävisten, kann eine solche Mikrogeschichte die Verwicklungen lösen?
    Bei der Verlegung des Netzes innerhalb von Forschungseinrichtungen waren die Mediävisten weniger empfänglich für die „Neuerung“ (selbst, wenn sie Neues entwickelt haben) als für die Möglichkeit, ihre Praktiken auszuweiten und alte Fragen mit anderen Mitteln zu lösen. Erfordert die Untersuchung der „Reste“ des Mittelalters, die den mediävistischen Studien Form gibt, nicht das Erlernen wenn nicht gar die Beherrschung technischer Fertigkeiten: Die Prosopographie, die Handschriften- und Inschriftenkunde? Sie hatten das Savoir-faire und waren neugierig darauf, es den neuen Technologien gegenüberzustellen. Sie waren ebenfalls empfänglich für den „Freiheitswind“, den die Physiker der Forschungswelt eingehaucht haben: Datenbanken, die bis dahin auf Papier und Disketten beschränkt waren, konnten wiederbelebt werden, die „großen“ Texte sollten frei im Internet zirkulieren, ohne dass man seinen Teil an die Verlage zahlen musste, das Nachschlagen in Büchern und Artikeln sollte jetzt losgelöst von Warteschlangen in den Bibliotheken werden, ein Raum für Schöpfung und Ideen hatte sich eröffnet. In Wahrheit wahrten die Historiker die traditionellen Akteure (insbesondere die Verleger), aber bedeutsame Produkte wurden geboren: Onlinezeitschriften, Paläographiekurs online, eine gemeinsame Anmerkungsssofware, etc. Ende der 1980er Jahre hat sie die Zeitschrift Le Médiéviste et l’ordinateur sorgfältig erfasst, die Rezeption des Internets war und ist – Das darf an im Zeitalter der Digital Humanities nicht außer Acht lassen – auf engste Weise mit dem Dialog zwischen Geschichte und Informatik verknüpft.
    Dahingegen haben sie nicht wie andere, die tiefgreifenden Veränderungen, die das Internet, „dieses Phänomen, das durch die Vernetzung der Computer, die Arten der Produktion, Verbreitung und Rezeption geschichtswissenschaftlicher Arbeiten verändert hat und dadurch auch den Beruf des Historikers“, mit sich brachte, bewertet. Wenn in diesem Abschnitt der Neuzeithistoriker Rolando Minuti ab 2001 das Bewusstsein eines veränderten Arbeitsumfelds ausdrückt, so kann er sich nicht wirklich vorstellen, dass die methodologischen Grundpfeiler der Historiker wirklich erschüttert werden könnten. Zehn Jahre später zeugt das elektronische Mailsystem, als Beispiel eines Instruments, das jeder benutzt, von einer bedauernswerten Entstellung der Schriftlichkeit, die der verkürzten Zeit um etwas zu schreiben, geschuldet ist. Diese zeigt sich in der Anfertigung von Fortsetzungstexten, die den Empfänger dazu zwingen, auf die letztendliche Version des Entwurfs zu warten... Vollendete Versionen (Digitalisierung eines Buches) und Bruchstücke (Kommentar in einem Blog) grenzen im Internet aneinander und erschaffen somit eine gewisse Unbestimmtheit bezüglich des Status’ von Schrift und Autor. So kommt es auch zu einem Nebeneinander von Persée und Wikipedia, zwei „Verlags“-Unternehmen – die eine ist statisch und ermöglicht den Zugang zu Artikeln und Referenzen, indem sie die Form des Originals repliziert; die andere in ständiger Schaffung und Auflösung befunden wie das berühmte Tuch der Penelope, je nach den Beiträgen der Mitwirkenden, die nicht als Spezialisten ausgewiesen werden, auch wenn man sie manchmal hinter ihrem „Pseudonym“ wiedererkennt.
    Im technologischen Bereich gibt es Softwares, die frei kreisen und zur sogenannten Open Source –Bewegung gehören, diese stehen neben den proprietären Programmen. Daraus folgt eine Kohabitation von Modellen, die sich gegenüberstehen, ohne sich auszuschließen. Unsere Institutionen schwächen unsere Arbeit, indem sie keine klare technische Entscheidung treffen, und immer von einem System zum anderen gewechselt werden muss, je nach Marktlage oder „Innovationen“. Schließlich zeigt die geringe Mühe, mit der Google sich als „die“ Suchmaschine durchsetzen konnte, ohne dass diese Monopolsituation als beunruhigend empfunden worden wäre, dass wir der Leichtigkeit, Texte und Referenzen zu sammeln, schwer widerstehen können. Google füttert und ernährt uns in seiner großen Milde mit wohlbekannten Speisen: Unseren eigenen Texten und denen unserer Bekannten.
    Dennoch könnten die Mediävisten „fast“ auf Google verzichten. Die Forschungs- und Lehrinstitute informieren über ihre Aktivitäten und bieten wissenschaftliche Publikationen an, die Bibliotheken haben ihren Onlinekatalog, die Archive digitalisieren und machen sich an die Beschreibung ihrer Bestände (Forschungsinstrumente wie die Bestandsaufnahmen warten noch auf ihre Stunde, insbesondere in Frankreich, aber das Projekt existiert bereits), eine bemerkenswerte Arbeit wurde vollzogen. Selbst die, die voller Vorbehalte dem Internetgebrauch gegenüber waren, benutzen es, um eine Bibliographie zu erstellen, einen Verweis zu prüfen oder an ein vergriffenes Buch zu kommen. So tauchen Texte wieder auf, die manchmal von großem Wert sind – gleichwohl müssen die Studenten aufpassen, dass diese „Wiederentdeckung der Alten“ den Blick auf die neue Geschichtsschreibung nicht verstellt. Die dokumentarische Rarität, die die Mediävisten wohl kennen (und schätzen), gehört allgemein der Vergangenheit an, das Herumprobieren, das durch die „neuen Technologien“ ermöglicht wird, und die Schar an Werken, die daraus entstanden sind, regen methodologische Fragestellungen und Ansprüche an.
    Wenn wir mit Walter Benjamin, der schon 1935 sein Zeitalter als das „der technischen Reproduzierbarkeit“ bezeichnete, einen erneuten Blick auf die Zeitlichkeit technologischer Entwicklungen werfen, dann erscheint das Internet wie das Ergebnis eines langen Prozesses. Mit der Digitalisierung von Manuskripten, glaubte der Forscher, dass er sich von den Einschränkungen des Archivraums lösen konnte... Man hat demzufolge von der „Dematerialisation“ der „Quelle“ gesprochen. Dematerialisation: Dieser Begriff ist unangebracht, denn sogar wenn er unsere Fähigkeit, ein Dokument für den erleichterten Transport zu verdichten, hervorhebt, verschleiert er dabei den technischen Aufwand und die Kosten für die Behandlung, die notwendig sind, um die Rekonstruktion des Dokuments, das dem Original sicher ähnelt, aber dennoch anders ist, zu gewährleisten. Die Abbildung eines Manuskripts auf dem Bildschirm zu untersuchen, ermöglicht nützliche Arbeitsprozesse, aber je nach gewähltem Format oder Instrument, die von anderen bestimmt und erstellt worden sind, bleibt unsere Analyse begrenzt. Werden wir mit Reproduktionen, mit „Abbildungen“ arbeiten und dabei denken, wir hätten die Originale vor uns, die wir nicht mehr zu Rate ziehen können, denn aus Konservierungszwecken werden sie nicht mehr herausgegeben? Die Frage ist auch eine politische: Die Historiker möchten an der Entscheidung über die zu digitalisierenden Bestände beteiligt werden, denn auch wenn sich jeder über ein schönes Manuskript freut, so sind die „Schätze“ unseres Kulturerbes nicht immer die, die den Historikern am schönsten erscheinen: Ein Rechnungsbuch hat manchmal mehr Reiz als ein reich illuminiertes Werk.
    Das Internet ist ein Ressourcenträger, auch wenn dieses Wort schrecklich floskelhaft daherkommt, es ermöglicht die Arbeit im Netz und keine Zauberei, sondern Technik und Handwerk. Eine Reihe von gesammelten Urkunden sowie kritische Editionen, die die alten Instrumentewieder aktualisieren können, etc., dienen der Erkenntnis – aber sind sie von Dauer? In allen Ländern wurde die Frage nach Archivierung (wovon, durch wen) und Konservierung hinausgezögert; sicher ist eine Onlinedatenbank eine Möglichkeit, aber was soll man erhalten? Die Daten, die fachspezifische Auffassung oder die Benutzeroberfläche? Im Zeitalter der Projekt-„Kultur“ können die Historiker nervös werden, sofern sie nicht mehr das „Ereignis“ gestalten. Seit dem Web 2.0 (2005) und allem, was mit ihm zusammenhängt (Facebook, Twitter, etc.) ächzt das Internet unter dem Joch der Absichtserklärungen, der Kommunikationswissenschaft, die das Mantra von allen als der Beste, der Leistungsfähigste, etc. „gesehen und wahrgenommen zu werden“, beschwört. Daraus ergeben sich mit Superlativen, mit selbstbezogenen Wendungen gespickte Meldungen, spontane visuelle Identitäten, die ein unbestimmbares Rauschen erzeugen. „Wenn die Parolen die Worte vernichten“: Der japanische Dichter Yo Henmi stellt sich die Frage nach den Grundlagen des Fortschrittglaubens durch die technische Revolution und lädt jeden zum Nachdenken ein. Vielleicht müssen die Mediävisten auf die Stimme des Dichters hören.


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  • Bibliographie

    Christine DUCOURTIEUX, 20. September 2016

    Über den Gebrauch des Internets

    - MINUTI Rolando, Internet et le métier d’historien. Réflexions sur les incertitudes d’une mutation, Paris, 2002 (éd. originale 2001).
    - Comprendre les usages d’Internet, Éric Guichard dir., Paris, 2001 ; Odyssée Internet. Enjeux sociaux, Jacques Lajoie et Éric Guichard, dir., Québec, 2002.
    - SMITH Marc, «L’aube des archives globales?», dans ANR/ATHIS – Ateliers Histoire et informatique, 1 De l’archive à l’open archive : l’historien et internet (École française de Rome, 23-25 mars 2006) [en ligne : http://www.menestrel.fr/IMG/pdf/05._smith.pdf
    - «Internet, révolution culturelle», Manière de voir, 109 (février-mars 2010) (Le Monde diplomatique)
    - Être historien du Moyen Âge au XXIe siècle. [Actes du XXXVIIIe Congrès de la Société des Historiens Médiévistes de l’Enseignement Supérieur Public, mai-juin 2007], Paris, 2008.
    - Les historiens et l’informatique. Un métier à réinventer, Rome, École française de Rome, 4-6 décembre 2008, Rome, École française de Rome, 2011.


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