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  • Über die Verwendung der Kommunalstatuten in der Mediävistik

    Nicolas LEROY, 18. Januar 2012 | 10. Dezember 2010
    Ville |

    Nicolas LEROY

    (Professor für Rechtsgeschichte an der Universität Nîmes)


    Zu Beginn des 13. Jahrhunderts verglich der italienische Rhetoriker Boncampagnus de Signa die Statuten mit „städtischen Gesetzen“. Diese „kommunal“ genannten Statuten, denn sie waren vor allem ein Produkt der Kommunen, sind schriftliche Regelwerke der Städte oder Dörfer, die vor allem in Nord- und Mittelitalien, aber auch in anderen Städten des Reiches, Südfrankreichs und Nordspaniens von der Mitte des 12. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts entstanden.

    Die Mehrdeutigkeit des Begriffs „Statut“ muss den Historiker zur Vorsicht anhalten. Das Wort kann eine punktuelle Verfügung bezeichnen, die von den Autoritäten der Stadt oder des Dorfes verordnet wurde (in diesem Falle verwendet man Statut im Singular), eine Sammlung, die durch die Zusammenstellung dieser Verfügungen (Statuten im Plural) entsteht, oder einen Artikel aus dieser (Singular).

    Die Statuten stellen eine sehr wichtige Quellengattung dar, wenn man das Leben in den Städten und Dörfern dieser Regionen im Spätmittelalter studieren möchte. Sie erlauben es, die bestehenden Institutionen und ihr Funktionieren, das interne Leben in der Siedlung oder im Gebiet, das diese umgibt, zu fassen und schließlich den ganz unterschiedlichen Grad an Autonomie zu messen, den die Kommunen genießen konnten. Der Inhalt der Statuten wurde nämlich schnell ergänzt, war er doch anfangs nur auf einige Verfügungen in Bezug auf die Institutionen und auf die Verschriftlichung einiger bedrohten oder umstrittenen Gewohnheiten begrenzt. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts sind die Statuten, zunächst in Italien, dann in bestimmten Städten jenseits der Alpen, abgesehen von den lokalen Unterschiede, lange Sammlungen von Regeln, die im Lauf der Zeit in Büchern und Rubriken organisiert (Letztere wurden später nummeriert) werden. Dieses Jahrhundert ist das Goldene Zeitalter der Statuten, die im Falle der am weitesten entwickelten Fällen Verfügungen beinhalten, die die institutionelle Organisation der Stadt, die Regeln des Privat-, Straf- und Handelsrechts, der Polizei und des Strafprozesses, aber auch der Übergangsregelungen betreffen, die nach und nach von der Kommission der statutores (der Name dieser Autoritäten variiert je nach Ort) ausgearbeitet wurden. Diese haben die Aufgabe, Jahr für Jahr die Statuten zu überprüfen, um der Entwicklung der Bedürfnisse oder der Umsetzung von Zielen Rechnung zu tragen, die die städtischen Regelungen vorsahen. Ab dem Ende des Jahrhunderts ändert sich der Inhalt. Mehrere Gruppen von Bestimmungen wurden damals von den allgemeinen Statuten abgesondert. Darin sollten spezifische Regelungen (für die Berufe, das städtische Gericht,...) ihren Platz finden. Zur selben Zeit tendieren die städtischen Statuten dazu, starrer zu werden (Ascheri), werden nicht mehr regelmäßig überprüft und werden der Interpretation der Juristen (Sbriccoli) überlassen.

    Die Bedingungen bei der Ausarbeitung der städtischen Statuten, die von einer Stadt zur anderen ganz unterschiedlich sein können, machen die Arbeit des Historikers schwieriger. Auch wenn es in den meisten Städten eine jährliche Überprüfung der Statuten gab, unterschieden sich ihre Methoden: Manchmal bewahrte man die vorherige Regelung auf, indem man darauf verwies – besonders, wenn die neuere Fassung ungenau oder lückenhaft war. Andere Kommunen sahen die Zerstörung der Handschriften vor, die ältere Versionen beinhalteten, da sie durch die Überprüfung überflüssig wurden. Dies macht die genaue Datierung der verordneten Maßnahmen schwierig. Das lokale Ansehen der Statuten erklärt, warum ihre Editionen in Monographien oder Lokalzeitschriften, zu denen man diesseits der Alpen nur schwer Zugang hat, in Italien und Frankreich eine solch große Gunst erfahren haben. Zudem sind diese Editionen alt und in ihrer Qualität recht unterschiedlich. Der Forscher wird sich daher mit den Handschriften selbst befassen müssen, wenn sie verfügbar sind. Er wird sich dabei einer großen Zahl von Abschriften gegenüber sehen, die oft von schlechter Qualität sind, und die verschiedenen überlieferten Versionen miteinander vergleichen müssen.

    Angesichts der großen Bedeutung der kommunalen Statuten, um das mittelalterliche Gemeinschaftsleben zu fassen, ist es umso bemerkenswerter, dass sie so wenig ausgewertet wurden. Dies liegt wohl daran, dass vor allem bei den Juristen weiterhin ein eher negatives Bild der städtischen Reglementierung besteht. Als minderwertige, unter der Ebene des Staates befindliche Gesetzgebung wäre ihr Wert für das Verständnis des gegenwärtigen Rechts mehr als gering (Ascheri). Diese Quellen, die aus der mittelalterlichen „Wiedergeburt“ der Städte und der Justiz entsprangen, werden noch lange mit Bedacht und Maß ausgewertet werden müssen: Die Statuten zeigen uns, was die städtische Wirklichkeit sein sollte und nicht was sie in Wirklichkeit war. Es stellt sich also das Problem der Wirklichkeit der Realisierung, was sehr schwer zu fassen ist, da in den Akten (Notariatsakten, Urteile,...) nur selten direkt auf die Statuten verwiesen wird. Muss man deswegen daraus folgern, dass sie nur „Absichtserklärungen“ gewesen seien, die einem Gegeneinanderhalten mit den oben genannten Akten nicht Stand halten? Die Lage hat sicherlich von Stadt zu Stadt stark variiert. Man kann bei der Lektüre der von den städtischen Gerichten erlassenen Urteile dennoch feststellen, dass die Entscheidungen, auch wenn sie nicht explizit auf die Statuten verweisen, nur selten im Gegensatz zu diesen stehen. Die Richter, die im Prinzip die ersten waren, die mit den Regelungen in den Statuten zu tun hatten, mussten Abschriften davon haben, was die Übereinstimmung zwischen der Regel und der juristischen Praxis der Stadt erklären könnte. Auf jeden Fall zeigt die Untersuchung der Notariatsakten, dass die Statuten vor den Mauern der Stadt unbekannt waren. Die wenigen Notariatsformulare, die aus dieser frühen Zeit erhalten sind, wie beispielsweise das Formular des Bertran du Pont (um 1230-1240), eines Notars aus Avignon, nehmen wohl lieber Bezug auf die Gewohnheit, auf das römische Recht oder auf zuvor bestehende Formulare (besonders in Italien), als auf das Recht der Stadt, in der der Notar tätig ist. Die städtischen Statuten haben nämlich nur auf dem Gebiet Geltung, das der Stadt unterliegt, während die Notare Formulare ausarbeiten, die als sehr weite Modelle dienen sollten. Dass die Notariatsakten keine Verweise machen oder die städtischen Regeln nicht kannten, zeigt uns vor allem wie relativ deren Strahlkraft auf dem zur Stadt gehörigen Gebiet war und besonders außerhalb, wo das städtische Recht bei der Anwendung in direkter Konkurrenz zu anderen rechtlichen Quellen stand.

    Die Statuten als Kodifizierung der städtischen Regelungen anzusehen, wäre ein Anachronismus. Das Mittelalter kennt eine solche Konstruktion nicht. Die Statuten sind nur ein Teil des Rechts, das in einer Gemeinschaft angewendet werden konnte und noch nicht einmal alle Regelungen darstellen, die von den städtischen Autoritäten erlassen wurden: Verfügungen mussten nicht in den Korpus der Statuten eingegliedert werden oder Teil einer anderen Kompilation sein (so zum Beispiel die Eide, die von den Magistraten und städtischen Amtmännern gefordert wurden). Sie existierten neben anderen Arten von Regelungen, die in der Stadt von Bedeutung waren, wie zum Beispiel die Gewohnheit, welche die Statuten nur teilweise verschriftlichten (hauptsächlich wenn sie bedroht oder diskutiert wurde). Dies ist, vor allem in Italien und Südfrankreich, der Fall mit dem römischen Recht, das eine sehr variable Rolle einnimmt, aber untrennbar vom städtischen Recht war.

    Römisches Recht und Gewohnheiten wurden von den städtischen Richtern und Notaren oft genauso angewandt, wenn nicht mehr, als die städtischen Statuten. In den meisten Fällen wird darin jedenfalls kein expliziter Verweis gemacht, was die Arbeit in Bezug auf die Quellen eines Entschlusses oder einer Akte sehr schwierig macht.

    Diese Komplexität der städtischen Gesetzgebung zeigt vor allem, dass das städtische Recht auf keinen Fall auf die Statuten reduziert werden darf. Sie stellen einen meist sehr kleinen Teil eines Ganzen dar, welches oft sehr schwierig zu erkennen ist. Um herauszufinden, welches Recht in einer Stadt gültig war, was oft eine wichtige Bedingung ist, um das Leben und die Gesellschaft der Bewohner zu verstehen, muss man also zunächst den historischen und rechtlichen Kontext der städtischen Statuten in Augenschein nehmen.


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  • Bibliographie

    Nicolas LEROY, 23. Januar 2012 | 18. Januar 2012
    Ville |

    Über die Verwendung der Kommunalstatuten

    - Über die Verwendung der Kommunalstatuten in der Mediävistik
    - ASCHERI Mario, «Formes du droit dans l’Italie communale : les statuts», Médiévales, 39, 2000, S. 137-152
    - CAUCHIES Jean-Marie et BOUSMAR Éric, «Faire bans, edictz et statuz», légiférer dans la ville médiévale. Sources, objets, acteurs de l’activité législative communale en Occident, ca. 1200-1550. Actes du colloque international tenu à Bruxelles les 17-20 novembre 1999, Brüssel, Publications des Facultés universitaires Saint-Louis, 2001.
    - GOURON André, « La potestas statuendi dans le droit coutumier montpelliérain du treizième siècle », in: Diritto comune et diritti locali nella storia dell’Europa, Atti del Convegno di Varenna (12-15 giugno 1979), Mailand, Giuffrè, 1980, S. 97-118.
    - GUALAZZINI Ugo, Considerazioni in tema di legislazione statutaria medievale, Mailand, Giuffrè, 1958.
    - LEROY Nicolas, Une ville et son droit, Avignon du début du XIIe siècle à 1251, Paris, De Boccard, 2008, insb. S. 357ff.
    - SBRICCOLI Mario, L’interpretazione dello statuto. Contributo allo studio della funzione dei giuristi nell’età comunale, Mailand, Giuffrè, 1969.


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